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Sardinien - ein Rausch für die Sinne

Anreise: Genua - Porto Torres

Genua - endlich Genua, nach 800 Kilometern auf der Autobahn ein erstes Etappenziel zum eigentlichen Ziel - Sardinien. Nicht dass die Fahrt von Deutschland, über die Schweizer Alpen nach Italien keine sehenswerten Landschaften bietet. Der Plan so viel wie möglich Motorraderlebnis in Sardinien in einer Woche Urlaub zu erleben, lässt für die Schönheiten auf der Anreise nur wenig Spielraum. Also war der Anblick von Genua, dem Abfahrthafen der Fähre nach Sardinien ein willkommener Anblick.

Die Alpen haben wir in leichtem Schneeregen bei bis zu +2°C durch den St. Gotthard Tunnel hinter uns gelassen. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt haben uns die Temperaturen im Tunnel überrascht. In der Mitte des Tunnels, der mit knapp 17km der viertlängste Straßentunnel der Welt ist, haben unsere Bordthermometer +34°C gemessen. Bei diesen Temperaturen wurde es in dem Regenanzug mit entsprechend warmer Unterkleidung unter dem Helm schon leicht ungemütlich. Beim Öffnen des Visiers schlug uns ein warmer Geruch von Abgasen entgegen. Wahrscheinlich hat aber auch die Dauer der Fahrt durch den Tunnel ihren Teil zum Unwohlfühlen beigetragen. Auf jeden Fall waren wir trotz der kalten Witterung froh endlich das Tagelicht am Ender der Tunnelröhre zu sehen und frische Luft zu atmen - die kalte Luft tat sogar richtig gut.

Die Straße des St. Gotthartpasses war noch mit einer meterhohen Schneedecke zugeschneit, was Ende April durchaus zu erwarten ist. Trotzdem schauten wir vor der Tunnelröhre sehnsüchtig in Richtung des St. Gotthardpasses, den wir ein Jahr zuvor auf der Fahrt zu den Schweizer Alpenseen überquert hatten. Nur zu gerne hätten wir die Kurven und das Panorama wieder genossen. Auf der weiteren Fahrt über die A2 nach Chiasso wurde das Wetter allmählich besser. Die Wolkendecke riss auf und die Sonnenstrahlen ließen die Vorfreude auf Sizilien aufkommen. Nachdem wir den Regenanzug ausgezogen und unsere Kleidung den Temperaturen angepasst hatten vergingen die restlichen 200 km auf der A7 vorbei an Mailand bis nach Genua wie im Flug.

Die Größe von Genua und die Verkehrsdichte haben uns überrascht. Die meist bräunlichen Silhouetten der Häuser, die in die Berge vor der Küste des Mittelmeeres gebaut sind, erstrecken sich über den gesamten Berghang bis direkt an die Küste. Die Autobahn führt, aus den Bergen kommend in lang gezogenen Kurven über Brücken um dann wieder in einem Tunnel zu verschwinden, in die Stadt. Dabei wechseln sich tolle Ausblicke auf die Stadt und das Meer mit der Dunkelheit im Tunnel ab, um gleich nach dem Tunnel schon wieder ein komplett neues, faszinierendes Bild zu zeichnen. Bei diesem Schauspiel fällt es uns schwer uns auf den Verkehr zu konzentrieren, was allerdings absolut empfehlenswert ist. Scooter, Roller und Mopeds, die sich durch die Autoschlangen schlängelnd den Weg suchen und Lastwagen, die auf dem Weg zu den weitverzweigten Hafenanlagen die Straße blockieren, machen den Weg durch die Stadt zum Abfahrtsgate spannend. So brauchten wir 2 Anläufe um das richtige Gate zu finden und nach etwa 2 Stunden Wartezeit gegen 18.00 Uhr endlich über die Rampe auf die Fähre "boarden" konnten.

Der Service auf der Autofähre der Reederei "Tirrenia" war unerwartet gut. Die gebuchte Doppelkabine war sauber und hatte eine Dusche und WC. Auch das Abendessen im Schiffsrestaurant konnte sich mit einem guten Restaurant auf dem Land messen.
Nachdem wir die Hafenausfahrt gegen 20:00 noch auf Deck genossen hatten, beendeten wir schon bald gut gesättigt und voller Neugierde auf Sardinien den Tag.

Sardinien

Die Insel Sardinien (Sardegna) ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer nach Sizilien. Sardinien hat eine Fläche von 24090 km² auf der rund 1,7 Millionen Einwohner leben.
Die Region ist in 8 Provinzen unterteilt, der Hauptstadt Cagliari, Nuoro, Sassari, Oristano, Ogliastra, Medio-Campidano, Carbonia-Iglesias sowie Olbia-Tempio.
Geografisch liegt die Insel zwischen Frankreich und Italien südlich von Korsika im Mittelmeer. Die kleinen Inseln Asinara, Maddalena, Caprera, Tavolara sowie S. Antioco e S. Pietro gehören ebenfalls zu Sardinien.Wikipedia

Porto Torres - Oristano

Der erste Blick aus dem Kabinenfenster zeigt eine ruhige See und das Dämmern des Tages. Es wird ein sonniger, warmer Tag mit blauem Himmel. Nach einem kleinen Frühstück auf Deck im Stehen und Blick nach Porto Torres, fahren wir nach dem Anlegen mit guter Laune über die Rampe der Fähre nach Westen. Schon die ersten Kilometer bestätigen dass die Straßen auf Sardinien perfekt sind für das Motorradfahren - griffiger Asphalt mit glatter Oberfläche - ein Genuß. Türkisgrünes Wasser klatscht gegen die felsige, zerklüftete Küste. Halbinseln und Landzungen mit steinigen Wegen ragen in das Meer und kein einziges Verbotsschild, so dass wir nicht widerstehen können. Mit den schwer beladenen Motorrädern noch etwas gewöhnungsbedürftig macht es einfach nur richtig Spaß in dieser Landschaft ein bisschen Enduro zu fahren. So cruisen wir gemütlich der Küste folgend und genießen den Anblick und den Geruch von Salzwasser. Auf dem Weg - immer wieder kurze Stopps, die Aussicht genießen, einen Tee kochen, dasitzen und staunen. Die Küstenstraße zwischen Alghero und Bosa bietet sensationelle Ausblicke und hat fast keinen Verkehr. In Bosa, der nächst größeren Stadt manövrieren wir durch schmalste, gepflasterte Gassen der Innenstadt. Hier kann man die Geschichte und das italienische Leben förmlich riechen und fühlen.

Unterwegs hatten wir uns entschieden in Oristano auf dem Campingplatz "Spinnaker" für ein Tage zu bleiben. Die Überraschung war groß als wir bei Ankunft gegen 19.00 Uhr vor verschlossenen Toren standen. Ein kurzer Onlinecheck zeigte noch einen weiteren Campingplatz etwa 40 km zurück von wo wir kamen. Die Sonne ging schon unter, so dass es an der Zeit war sich zu sputen, um das Zelt nicht im Dunkeln aufzubauen. Auf dem Campingplatz "Bella Sardinia" angekommen, war aber dann gerade noch genug Zeit.

In einem dichten Pinienwald kommt nur wenig Sonne durch, was im Hochsommer von Vorteil, im Frühjahr aber ein Nachteil ist, wie sich zeigte. In den nächsten Tagen war es Nachts recht kühl, was uns im Schatten der Pinien ein kühles Frühstück bescherte. Bei wechselhaftem, kühlem Wetter fuhren wir ins Landesinnere durch die Provinz Oristano in Richtung Nuoro, in die Berge. Vorbei am Wasserspeicher des "Fiume Tirso" in wilde Schluchten und Täler, durch Ortschaften mit geschlossenen Geschäften und Restaurants und ohne Menschen auf den Straßen. Eine wunderschöne, wilde Landschaft, die uns bis auf 600m auf einsamen Wegen in die Berge führte - ein kurviges Auf- und Ab, das Spaß und Hunger macht. Leider spielte das Wetter nicht mit, so dass wir bei bei leichtem Regen nicht weiter in die Berge fahren konnten. Zum Glück hatten wir unsere Outdoor-Notreserve dabei, die im Windschatten eines verlassenen Hauses heißgemacht, den Hunger stillte. Bei kühlen Temperaturen und leichtem Regen entschlossen wir uns über die Schnellstraße zurückzufahren - Schade.

Offroad - Steilküste Oristano

Die Stadt Oristano mit ca. 32.000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Provinz Oristano (ca. 176000 Einwohner).Ursprünglich lebten die Einwohner dieser Stadt in Tharros auf der Halbinsel Sinis. Die Reste der antiken Stadt, die bereits 800 v.Chr. bewohnt war und unter den Römern um 250 v.Chr. die Blütezeit erlebte, erinnern an diese Zeiten, die um 500 n.Chr. durch Plünderungen der Wandalen beendet wurde. Um 1070 n. Chr. zogen die Einwohner etwas weiter östlich wo die heutige Stadt entstanden ist.Wikipedia

Nach dem Besuch auf der Halbinsel Sinis, wobei eine "Besucher-Tram" uns auf die Halbinsel zu den Ruinen von Tharros brachte, zogen Wolken auf und es begann zu nieseln. Die Steilküste hatte es uns aber angetan und wir suchten den Weg der Steilküste entlang. Eine Seitenstraße in Oristano führte uns schließlich auf einen felsigen Pfad direkt an die Küste. Wir folgten diesem Weg auf den Felsen der Steilküste ca. 30m über dem Meer. Unsere Visiere waren beschlagen vom Salznebel, der sich durch die Brandung und den Nieselregen bildete. Die Landschaft wirkte wild und das Meer tobte gegen die Steilküste. Wir hofften, dass der Weg nicht irgendwann einfach endete, da wir den Weg zurück im Hellen nicht geschafft hätten. Doch irgendwie fanden wir über sandige Feldwege einen Weg zurück zur Landstrasse, gerade noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang. Ein herrliches Erlebnis mit Off-Road Feeling in toller Landschaft.

Gebirge und Nationalpark

Eigentlich wollten wir nach 3 Tagen quer über die Insel an die Ostküste fahren. Das wechselhafte Wetter ließ uns dann aber noch einen Tag länger bleiben, bevor wir uns auf den Weg machten. Richtung Osten, quer durch die Provinz Oristano und dem Gebirge Ortobene, die Provinz Nuoro mit dem Gebirge Supramonte, in die Provinz Ogliastra durch Torboli nach Arbatax. Hier fanden wir auf dem Campingplatz "Camping VillaggioTelis" eine mehr als komfortable Unterkunft. In Terassen angelegte Plätze direkt an der Küste bescheren einen tollen Ausblick. Die bestens ausgestatteten, sauberen Sanitäranlagen mit abschließbaren Einzelwaschräumen (Toilette, Dusche und Waschbecken) bieten besten Komfort. Zumindest Anfang Mai, nicht unbedingt Hauptsaison, gab es hier nie Engpässe.

Die Fahrt quer über die Gebirge Sardinien auf schmalen aber meist guten Straßen war nur ein Vorgeschmack auf die Fahrt in den "Parco nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu" mit dem höchsten Berg der Insel "La Marmora" mit 1834 Metern. Der Nationalpark mit dem Naturschutzgebiet zieht sich von der Küste am Golf von Orosei bis zum Gennargentu Gebirgsmassiv mit einer Fläche von ca. 73000 Hektar. Auf der Fahrt haben wir die Fahrten durch wilde Täler genauso genossen, wie die Ausblicke von den Bergen, die über wunderschön zu fahrende Bergstraßen erreichbar sind. In "Lanusei" haben die engen, steilen Strassen der Innenstadt mehr als einmal Fahrgeschick gefordert. Auf der Strasse nach "Baunei" auf ca. 400m kann man den Blick in das Tal, auch den Blick auf Baunei genießen, das vor an einem recht steilen Südhang vor einer Felswand in den Berg gebaut ist. In "Santa Maria Navarrese" hat uns der Strand mit den zerklüfteten Felsformationen im Meer zur Erkundung und zum kurzen Bad eingeladen. In den Höhen des Naturparks waren wir alleine auf den Strassen und haben so manchen Abstecher in unbefestigte wald- und Wiesenwege gewagt, die jedoch meistens nach wenigen Kilometern in den Wiesen oder vor Bergen endeten. Die Kühe und Schafe, die rechts- und links von uns gegrast haben, haben sich durch uns nicht stören lassen. Der ein-oder andere Blick hat sie sich vielleicht fragen lassen, was die beiden Gestalten auf ihren knatternden Gefährten da so treiben.

Porto Cervo - Olbia

Zelt abbauen, aufsatteln und auf zur Fähre von Olbia nach Genua. Die 170 km führten uns noch einmal über das Gebirge Gennargentu Richtung Norden, wo Abends um 20:00 Uhr die Fähre ablegen sollte. Wir wollten aber auf jeden Fall noch an Olbia vorbei bis zur Nordküste, um noch einen schnellen Blick auf die Sosta Smeralda zu werfen. So fuhren wir relativ zügig gen Norden über Nuoro und und an San Teodoro und Olbia vorbei nach Palau. Wir haben uns für die Schnellstraße, da wir über die Landstraße näher der Küste wahrscheinlich überall stehen geblieben wären wo es was zu sehen gibt - und es gibt halt zu viel zu sehen. Die Insel "La Maddalena" vor der "Costa Smeralda" in Palau haben wir dann auch gesehen, jedoch hatten wir nicht genug Zeit sie zu besuchen, so beschlossen wir quer durch die Berge vor der Küste noch ein bisschen Spaß auf Nebenstraßen mit losem Untergrund zu haben. Dabei sind wir an verschiedenen Stellen bis zur Küste vorgedrungen und Nachmittags in "Porto Cervo" gelandet. Porto Cervo kann man wohl das Zentrum der Costa Smeralda nennen, diese kleine Ortschaft hat sich zum Urlaubsort der internationalen Jet Set gemausert. Dort haben wir am Strand gut zu Abend gegessen, bevor wir nach Olbia zum Hafen fuhren.

Insgesamt waren wir ein bisschen enttäuscht von der wohl schönsten Küste Sardiniens mit ihrem Türkis bis Smaragd und kristallklarem Wasser - der Costa Smeralda. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir nicht genug Zeit hatten überhaupt nahe genug an die Küste zu kommen. Die gesamte Küste besteht aus schroffen Felsen in denen sich immer wieder kleinere Buchten mit wundervollen Stränden gebildet haben. Das gesamte Land entlang der Costa Smeralda wurde 1960 von einem Konsortium erworben durch den der Massentourismus an dieser Küste nie zugelassen wurde. Das Konsortium um Aga Kahn IV verhinderte Naturschäden und illegalen Hausbau und machte die Gegend zu einer der renommiertesten Gegenden für die Oberschicht. Diesem Umstand zu Folge führten alle Straßen zum Strand durch Wohngebiete mit teilweise ausgewiesenen Privatstraßen. Schade, aber zumindest von der Ferne hatten wir sie gesehen.

Der Rest der Reise ist schnell erzählt: Fähre nach Genua und ein Tag mit ca. 800 km auf der Autobahn nach Hause.

Sardinien wir kommen wieder ... es gibt noch so viel zu sehen

Die einzelnen Tracks könnt ihr euch auf der Karte Reiserouten anschauen und herunterladen. Nicht vergessen, dass ihr euch vorher registrieren müßt. Viel Spaß beim Anschauen.

die Kradnomaden