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Euromos & Bafa Gölü

Euromus

Wenige Kilometer von der Kreisstadt Milas an der Straße in Richtung Bafa See steht er, der Zeustempel von Euromos - zwischen Olivenbäumen versteckt - so dass man schon sehr aufpassen muss das kleine Hinweisschild am Straßenrand nicht zu übersehen. Dabei lohnt sich ein Abstecher mit dem Motorrad über einen kurzen Feldweg zum Tempel auf jeden Fall. Unvorstellbar für uns gewohnte Verhältnisse - man kann mit dem Motorrad bis in die unmittelbare Nähe der noch stehenden korinthischen Säulen des Tempels fahren - und das sind immerhin noch fast die Hälfte der einst 32 Säulen. Ein kurzes Stück Off-Road Spaß zu einem Tempel, der immerhin zu den besterhaltenen Sakralbauten des Landes zählt.

Der Tempel stammt aus römischer Zeit und war dem Zeus Lepsynos geweiht. Auf den Säulen stehen auf Tafeln immer noch die Namen der Stifter aus dem 2. Jahrhundert n.Chr., die sich darauf verewigten. Es handelte sich wohl um vermögende römische Beamte der Stadt Euromos, zu der das Heiligtum gehört, und über die man heute nicht mehr viel weiß.

Die Tempelanlage, malerisch im Olivenhain gelegen gilt als eine der am besten erhaltenen Tempel Kleinasiens. Der Zeustempel hat einen Umfang von 14,4x26,8 m und soll in der Zeit von Hadrian (117-138 n. Chr.) gebaut worden sein.. 6 Säulen auf der einen Seite des Tempelsockels und 9 auf der anderen, teilweise noch versehen mit massiven Gebälk lassen die einstige Schönheit des heiligen Bezirks nicht nur erahnen. Der Anblick des Tempels inmitten des Olivenhains ist unvergesslich!

http://www.guemuesluek.de/deutsch/tagesausfl%C3%BCge/euromos

Wir haben uns auf die Grundmauern zwischen die Säulen gesetzt und die Atmosphäre dieses Ortes genossen.

In sengender Mittagssonne in unsere Motorradkluft haben wir auf die Erkundung des weiteren Geländes erspart, wobei wir damit die Reste eines Theaters sowie Teile der Stadtmauer von Euromos im Norden auf einer Berghöhe nur von Weitem gesehen haben. Die Reste der noch deutlich sichtbaren Agora und die Steinsärge in der Nekropole, sowie die Ruine einer kleinen byzantinischen Kirche haben wir verpasst. Es gibt nicht allzu viele Gebäudereste zu sehen; jedoch ist die Einzigartigkeit dieser Stätte ihre Einbettung in die reizvolle Umgebung.

Wir waren in Gümüslük, einer kleinen Hafenstadt mit großer Geschichte (35 km von Bodrum, bekannt als Party-Hochburg mit der weltbekannten Disco "Halikarnas"), gestartet. Auf dem Weg nach Bafa Gölü (Bafa See) sind wir entlang der Küste über Bodrum und Milas, einige Kilometer hinter Milas auf dieses Stück Geschichte gestoßen. Über diesen Anblick sollte man entlang der Westküste der Türkei eigentlich nicht verwundert sein, da es hier nur so vor historischen Orten wimmelt. Trotzdem war uns der Anblick des Tempels am Rande der Hauptverkehrsstraße von Milas nach Izmir, in einer landschaftlich nicht wirklich prickelnden Umgebung etwas befremdlich. Um so mehr als das der Tempel so ungeschützt, versteckt und fast vergessen in dem Olivenhain liegt. Vielleicht macht aber auch das gerade den besonderen Reiz aus.

Das Schließen der Motorradjacke und das Aufsetzen des Helms fiel uns dann doch nicht leicht, denn die Sonne stand im Horizont und brannte unbarmherzig, was das Quecksilber im Thermometer auf über 40°C steigen ließ. Bei einem kurzen Tankstop einige Kilometer weiter gönnten wir uns kurzerhand eine Dusche in voller Montur auf dem Motorrad sitzend unter einer Wasserleitung, aus der unaufhörlich das kühle Naß sprudelte. Das tat gut und die nassen Anzüge kühlten uns auf der Fahrt die nächste halbe Stunde, bis sie auch schon wieder getrocknet waren. Und dann war es auch schon nicht mehr weit bis an den südlichen Zipfel des Bafa Gölü und dem kleinen Bauerndorft Kapikiri, zu römische Zeiten bekannt als bedeutende Hafenstadt Herakleia.

Bafa Gölü

Der Bafa Gölü ist ein aus einem früheren Meeresarm entstandener Binnensee an der Westküste der Türkei. Er hat eine Größe von rund 60 km², was ungefähr 15 % der Größe des Bodensees entspricht. In der Antike war der See noch Teil des Mittelmeeres und hieß Latmikos kolpos (Latmischer Meerbusen), benannt nach dem Gebirgszug des Latmos, der am Nordostufer beginnt und sich weiter nach Osten zieht. Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde der spätere Bafa Gölü durch abgelagerte Sedimente von der Ägäis abgeschnitten. Das Wasser des Sees ist immer noch leicht salzig.

Nachdem wir am Südende des Sees die Hauptstraße in Richtung Osten verlassen hatten, sahen wir vor uns die beeindruckenden Felsformationen entlang des Osterufer des Sees, die zum Latmosgebirge zählen. Die engen, nicht asphaltierten Straßen führten uns bergan in ein kleines Bauerndorf, in dem die Straßen immer schlechter wurden und endlich in einer Sackgasse mit sandigem Untergrund endeten - wir standen vor einem ärmlichen Bauernhaus inmitten von Ziegen und Hühnern. Das sollte sich aber schnell ändern als uns die einheimischen Dorfbewohner, ausschließlich Frauen und Kinder, bemerkten. Da der 2.Teil der Kradnomaden fließend türkisch spricht, erfuhren wir, dass es hinter den vor uns liegenden Hügeln Interessantes zu sehen gibt. Wir folgten der Traube von gestikulierenden Frauen und Kindern, die uns nebenbei auch noch selbstgemachte Decken, Schmuck usw. zum Kauf anpriesen, Und tatsächlich - hinter den Hügeln standen weit verteilt in einer Senke die Ruinen einer früheren Stadt - Herakleia.

Unserer Kleidung und der Hitze geschuldet, entschlossen wir uns dieses weitläufige Gebiet nicht zu erkunden, und stattdessen ein paar Fotos zu machen. Das Fotografieren gegen die im Westen schon tiefstehende Sonne erschwerte allerdings das machen guter Fotos. Schade, wir hätten gerne mehr Zeit an diesem geschichtsträchtigen Ort verbracht und diesen erkundet. Jeder der mit dem Motorrad unterwegs ist kennt das Problem mit der unpassenden Motorradkleidung für andere Aktivitäten.

Nachdem wir es geschafften hatten uns von den Einheimischen zu lösen, wendeten wir das Motorrad in der buckligen, engen Sackgasse mit Mühe und fuhren auf demselben Weg aus Kapikiri zum östlichen Seeufer. Dort fuhren wir an einem kleinen Restaurant direkt am Seeufer vorbei und hofften noch weiter am Seeufer entlangfahren zu können. Der Uferweg in Richtung Norden endete aber schon nach wenigen Kilometern hinter dem Restaurant. Wir entschlossen uns umzukehren und am Seeufer in der Nähe des Restaurants eine ausgedehnte Pause zu machen.

Auf dem Gelände um das Restaurant standen mehrere seltsame Holzgestelle - ca. 3x3m große Holzliegen auf 4 Pfosten mit Sonnendächern aus Tuch und teilweise seitlichem Windschutz. Die Besitzer des Restaurants erklärten uns, dass diese Behausungen sehr begehrte Übernachtungsplätze sind für alle die hierher kommen, um im Latmosgebirge nach Überresten der römischen Kultur zu suchen. Hier ist es möglich, mit ortskundigen Führern bis hoch in den hinteren Latmos aufzusteigen, um dort prähistorische Höhlen mit bis zu 80 cm hohen Felsmalereien zu besichtigen. Aus diesem Grund kommen im Herbst die (Hobby-) Archäologen, um das Gebirge unter Mühen zu durchwandern.

Uns stand der Sinn mehr nach einem Bad in See und Sonne, wobei wir den den leicht salzigen Geschmack des Wassers auch schmecken konnten. An der Stelle war der Boden des Sees mit sehr viel Seepflanzen bewachsen, die bis an die Oberfläche reichten. Das Gebiet um den See ist sehr großflächig Naturschutzgebiet um die Flora und Fauna zu schützen. Es führen keine befahrbaren Straßen durch das Gebiet östlich und nördlich um den See und durch das Latmosgebirge. Dadurch ist das ganze Gebiet auch sehr Strukturschwach - es gibt nur wenige kleine Pensionen und Restaurants in der Nähe von Kapikiri.

Wir waren an dem Tag die einzigen Besucher in der gesamten Gegend und wir waren nicht sicher, ob wir im Restaurant was zu Essen bekommen, da es eigentlich geschlossen aussah. Doch fanden wir den Besitzer und der zeigte uns seinen Fischbestand in einer Kühltruhe, der aus einigen wenigen Fischen bestand, über deren Frische wir nicht ganz sicher waren. Der Hunger ließ uns trotzdem zwei Fische bestellen, die wir im Freien mit etwas Salat und einem Softdrink aus der Dose aßen. Nun was soll ich sagen - der Fisch war wohl genießbar, aber viel zu lange in der Friteuse richtig trocken geworden Es war wohl unser schlechtester Fisch - ever.

Derart gestärkt machten wir uns dann auf den Rückweg zur Ferienwohnung in Gümüslük, Es war wieder einmal später geworden, als wir eigentlich planten - aber es gibt halt so viel zu sehen ...

Geschichte

Herakleias Vorgängersiedlung Latmos entstand um 1000 v. Chr. durch von landnehmenden Griechen vertriebene Karer in der unwirtlichen, aber sicheren Felslandschaft des Latmosgebirges. Die ursprünglich karische Stadt, geriet im 6. Jahrhundert ebenso wie die Städte Ioniens unter lydische und später persische Herrschaft. 499–494 v. Chr. nahm Latmos ebenso wie das restliche Karien am ionischen Aufstand gegen Persien teil. Nach 494 erhielt Latmos eine Befestigung. Es wurde Mitglied des attisch-delischen Seebundes mit dem Minimalbeitrag von 1 Talent/Jahr, der seine wirtschaftliche Potenz widerspiegelte. Latmos geriet erneut unter persische Herrschaft und wurde Teil der Satrapie Karien, die von einer einheimischen Dynastie (Haus der Hekatomniden) regiert wurde, deren bekanntester Vertreter Mausolos war. Dieser betrieb zwischen 377 und 353 v. Chr. eine massive Hellenisierungspolitik in Karien.

Um 300 v. Chr. löste die hellenistische Neugründung Herakleia das alte (10 Fußminuten entfernte) Latmos ab. Der genaue Zeitpunkt und die Urheberschaft für diese Gründung sind strittig. Favorisiert werden Asandros, Demetrios Poliorketes oder Pleistarchos, der Bruder des Kassandros. Der Duodez-Diadoche Pleistarchos jedenfalls machte Herakleia offenbar zur Hauptstadt seines Teile Kariens umfassenden Reiches und benannte die Stadt in Pleistarcheia um. Nach dem Ende seiner nicht allzu lange währenden Herrschaft kehrte man jedoch wieder zum ursprünglichen Namen Herakleia zurück. Ob der erneute Namenswechsel, der den mutmaßlichen „Gründer“ Pleistarchos zum Vergessen(werden) verdammte, darauf zurückzuführen ist, dass das alte Latmos von ihm völlig zerstört wurde und seine Bewohner gegen ihren Willen umgesiedelt wurden, sei dahingestellt. Ebenso strittig wie die Frage der Gründung ist zudem die Frage, wer für den Ausbau der massiven und auf dem neuesten Stand der militärtechnologischen Entwicklung befindlichen Befestigungsanlagen und des umfangreichen (aber nur von Saumtieren und Fußgängern begehbaren) Straßennetzes verantwortlich zeichnete, das sowohl das Territorium der Stadt erschloss als auch die Anbindung an die regionalen Verkehrswege sicherte.

Rom schenkte Herakleia, das vorsichtshalber und klugerweise vor der Niederlage des Seleukiden Antiochos III. gegen Rom die Seite gewechselt hatte, im frühen 2. Jahrhundert v. Chr. die Freiheit. Es begann das goldene Jahrhundert der Stadt. 133 v. Chr. wurden Herakleia und Karien Teil der römischen Provinz Asia. Das peripher gelegene Herakleia gewann aber nicht die Gunst kaiserlicher oder senatorischer Sponsoren. Lediglich eine römische Miniaturtherme veränderte das alte hellenistische Stadtbild. Noch im 6. Jahrhundert war das abgelegene Herakleia die zweitgrößte Stadt der Provinz Karien. Im 7. Jahrhundert wurde das Latmosgebirge von Mönchen vom Sinai besiedelt und zu einem dem Athos vergleichbaren Heiligen Berg.

Ende des 14. Jahrhunderts besiegten die Osmanen die regionalen konkurrierenden türkischen Dynasten im Südwesten Kleinasiens. Spätestens zu dieser Zeit war der Latmossee vollständig vom Meer abgetrennt und Herakleias wirtschaftlicher Entwicklung die Basis entzogen.

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